I
Es war einmal ein Erdenbewohner namens Itsi-Bitsi, ein kleines Känguruhchen im fernen Australien. Sein Vater Tohu Wabo arbeitete als Springer in der örtlichen BAWAG-Filiale in Sydney, Prince-Charles-Straße 63. Seine Mutter, eine ehemalige Schönheitskönigin in der Känguruh-High-School, war nun Pflegerin der Schwiegermutter des australischen Premierministers John Howard. Am 6. Dezember, dem Saint-Nicholas-Day, meinte Itsi-Bitsi zu seiner Mutter Abo beim Schwimmen am Korallenriff: „Ich wünsche mir zu Weihnachten den weißen Schnee! Nur einmal möcht’ ich den kalten Schnee kosten und spüren!“ „Es tut mir so leid“, antwortete Abo Wabo ihrem geliebten Sohn. „Schnee gibt’s nur in Österreich, dem Land der Freilandeier und des Maier. Und Schnee verköstigen ist eine sehr schlechte Idee!“ „Nein!“ plärrte entsetzt der sonst so positiv eingestellte Junior. „Ich will! Ich will! Ich will!“ Der Badewaschl vom Dienst in seinem weißen Gewand, Thomas Muster, bat die beiden um Mäßigung und um Reduzierung der Dezibel. Als sie am Strand ankamen, schlug die sanftmütige Mutter vor: „Als Trost lade ich Dich ein zum Zauberer David Coptipopti nächsten Sonntag in die Stadthalle. Na, wie wär’s damit?“ Während sie im schnittigen Opel-Taunus in die Vororte Richtung nach Hause brausten, wischte sich Itsi-Bitsi auch die letzte Träne aus dem Mundwinkel und erwiderte: „Ja, ich freue mich schon auf den großen Zauberer!“ Unterwegs holten sie noch Vater Tohu vom bankeigenen Tennisplatz ab. Die Eltern kippten noch Einen im Café Gio, bevor alle drei schwankend-wankend heimwärts hupften.
II
Abertausende hatten sich versammelt vor der Sydneyer Stadthalle, um den Star aller Stars, den großen Magier, zu begrüßen. Er bewegte sich würdevoll durch die badende Menge und schwenkte huldlichst den Federhut. Man drängte ihm nach ins Interieur der vormaligen Sydneyer Oper, dem einen Wahrzeichen Australiens. Doch das Land Down Under war primär für die friedlichen Känguruhs bekannt, die nicht einmal einem Kriminellen ein Haar krümmen würden. Heute waren in der BAWAG-Loge außer der Familie Känguruh vor allem die Koala-Bären präsent, die extra vom Lone Pine Sanctuary in Brisbane angereist waren im Privatjet des Premierministers, um sich dieses Spektakel nicht entgehen zu lassen. Vom Plafond des Auditoriums senkte sich plötzlich eine glitzernde Diamanten-Schaukel und darauf balancierte David Coptipopti auf seinem linken Zeigefinger, und präsentierte Salti und Todesloops aller Art, sowie Kunstsprünge à la Waslaw Nijinski. Er katapultierte sich schließlich auf die Bühne und bat einige Zuschauer aus den Logen sich zu ihm zu gesellen. Itsi-Bitsi ergriff die Option beim Schopf und sprang mirnixdirnix hinab und hinauf. Herr Coptipopti schüttelte ihm die Pfote und fragte ihn, was er sich zu Weihnachten wünsche. Als unser kleines Känguruh verlegen stotterte „Nur Schnee, den weißen Schnee!“, begann es sogleich von der Decke Flöckchen herab zu schneien, worauf Itsi-Bitsi begeistert auf und ab wippte und den Schnee in den Mund stopfte. Seine Eltern schauten besorgt. Unser kleiner Freund wurde ganz blau im Gesichte und Schaum formte sich vor seinem Mund. Er fiel auf den Rücken und sein eh schon großer Bauch wurde immer voluminöser wie ein Luftballon bis er das Tausendfache seiner vormaligen Größe erreicht hatte. Dann explodierte Itsi-Bitsi, der kleine Knirps, in eine stattliche Unzahl von Stücken. Das Publikum schrie auf und war aufs Höchste bestürzt, nicht nur niedergeschlagen. Der diensthabende Officer, Frank McCourt, griff dem Magier Coptipopti auf die Schulter und sprach barsch: „Sie sind verhaftet! Sie können Ihren Rechtsanwalt anrufen.“ „Wir Zauberer haben keinen Rechtsanwalt“, entgegnete dieser lakonisch und verwandelte Frankie-Boy in ein Schwein, so wie es einst Circe mit Odysseus auf der Insel Aiaia vorexerzierte. Dann nahm er seiner Zauberstab und formulierte den folgenden Zauberspruch: „Hudri wudri werde eins Das Misslingen ist nicht meins“ auf Ozeanisch. Daraufhin setzten sich die explodierten Teile von Itsi-Bitsi wieder zusammen und dieser stand auf, unbehelligt und über das ganze Gesicht lächelnd. Er sprang sogleich in die Arme seiner vor Glück weinenden Mutter. Vater Tohu meinte noch: „Tue immer das, was die Eltern Dir sagen. Sie meinen’s ja nur gut.“ Zu späterer Stunde, nach einer Einlage von André Heller mit seinem hinduistischen Orchester, schlenderte die hochzufriedene Zuschauermenge zu den Klängen des alten Schlagers Theo, wir fahr’n nach Lodz von Vicky Leandros hinaus an das Meeresufer, wo die frische Brise sie empfing und umgarnte. Heute wurde ihnen wirklich Unglaubliches geboten. Unser kleines Känguruh schmiegte sich beim Heimhupfen an seine Eltern und machte sich auf die Ereignisse des Abends einen Reim: „Das war ein riesen Abenteuer Es war mir fürwahr nicht geheuer Doch von gestern ist der Schnee Nun tut das Weh-Weh nicht mehr weh.“
III
Herr Wabo kam am nächsten Tag in die Arbeit und war umringt von gratulierenden Mitarbeitern. „Sie gereichen der BAWAG zur bedeutenden Ehre!“ meinte sein Vorgesetzter. „Sie können gerne meine Abteilung übernehmen! Wir sind stolz auf was Ihr Sohn und Ihre Familie gestern geleistet haben. Kein Wunder, dass Sie das Wahrzeichen Australiens sind. Schauen Sie, was hier in der neuesten Ausgabe der BAWAG-Gazette steht: ‘Dahoam ist’s doch am schönsten’, spricht Ex-Direktor Elsner.“ Da läutete das Telefon. Tohu Wabos Vorgesetzter hob ab und übergab den Hörer dem überraschten Känguruh. „Hallo, Herr Wabo? Herr Nowotny vom Fleischmarkt hier in Wien. Wollen Sie nicht in unsere BAWAG-Zentrale übersiedeln? Kommen Sie doch nach Österreich!“ Da fiel Tohu Wabo Hu, wie er mit ganzem Namen hieß, die sogenannte Lad owe, aber er fasste sich schnell. „Ist Weihnachten wirklich so schön bei Ihnen in Austria?“ fragte er. „Seien Sie unsere Gäste in unserem BAWAG-Chalêt in Badgastein für zwei Wochen! Feiern Sie Weihnachten mit Ihrer Familie in den schneebedeckten Alpen! Genießen Sie es!“
IV
Zwei Wochen später setzte der Flieger mit Familie Wabo am Salzburger Flughafen auf. In der First Class der ÖBB ließen sie sich nach Badgastein bringen, wo der überglückliche Itsi-Bitsi sofort in den Schnee sprang und ihn herunter schlang. Ihm wurde grün vor den Augen, er legte si nieda, wie man so sagt in Meidling, und zersprang in tausende, kleine, itsi-bitsi winzige Partikelchen, die sich am dunklen Himmelszelt sofort in abertausende Sternchen verwandelten, und sie glühten und leuchteten herab auf die vielen Erdenmenschen. Alle blickten an diesem 24. Dezember empor zu dieser glitzernden, schimmernden Pracht. Alle österreichischen Bürger waren glücklich in dieser Nacht, ja alle, inklusive den Asylwerbern, die in Traiskirchen ihre bosnisch-herzegowinischen Feiertagsgesänge zum Besten gaben. Itsi-Bitsi hatte an diesem Tage die Freude nach Österreich gebracht, wo sich nunmehr Rapid und die Austria vertrugen, wo sich die SPÖ und die ÖVP um den Hals fielen, ja alle eins wurden, und die Zwietracht endlich, aber noch nicht endgültig, ad acta gelegt wurde. Nur in den Magistratsabteilungen herrschte reger Betrieb, da die dortansässigen Angestellten auch am Weihnachtsabend arbeiteten. Doch auch die Bravsten der Braven schauten aus den Fenstern und sahen Itsi-Bitsi als großzügig-gütiges und Liebe ausstrahlendes Sternenzelt. Daraufhin gelobten sie noch fleißiger zu werden, noch wirtschaftlicher zu amtieren und für noch weniger Lohn zu arbeiten.
V
Darweil war Itsi-Bitsi im wahren und tatsächlichen Himmel angekommen und hatte den Eintrittsschlüssel von Petrus persönlich erhalten. Er hupfte sogleich in den dortortigen Schnee und aß davon, immer mehr und mehr, und es wurde ihm diesmal nicht schlecht. Ganz und gar nicht, er war im Himmel, und er würde wohl dort bleiben auf immer und ewig, und das Leben im weißen Schnee in vollen Zügen genießen, gemeinsam mit Sepp Bradl. Itsi-Bitsi schaute sich um, und was er sah, gefiel ihm. Er pflückte einen Apfel vom nächsten Baum und biß hinein. Ja, das könnte ja noch nett werden. Er nahm Platz in einem Liegestuhl, schloß die Augen und genoß die warmen Sonnenstrahlen. „Das ist ja wie im Himmel“, dachte er. „Das ist ja das reinste Paradies!“
VI
Tohu Wabo und seine gottergebene Ehegattin nahmen den nächsten Zug in die Wien-Metropole und machten nur kurz Zwischenstation in St. Florian, um die Bruckner-Orgel zu bemustern. Im Speisewaggon bestellten sie sich Milch und Buttertoast, während sie die anderen Passagiere mit mißtrauischen Blicken beäugten. „Ich hoffe, unserm Sohn geht’s einigermaßen“, sprach Abo in guter Hoffnung. „Er ist sicher im Himmel und gut aufgehoben“, antwortete ihr Mustergatte. „Dort gibt’s gratis Kaugummis und Guglhupf mit vielen Rosinen.“ Er strich ihr sanft über das Haupt. „Aber er ist unser einziger Sohn!“ „Macht nix. Er ist jetzt bei Jimi Hendrix und Rod Laver. Er kann sich nun mit Winston Churchill unterhalten. Und Pool spielen mit Mata Hari und Rudolfo Valentino. Er ist in besten Händen.“ „Aber wer soll denn nun den Mist hinaus tragen?“ „In Wien werden wir uns Hauspersonal nehmen. Und auf alle Fälle eine Köchin. Der Nowotny vom Fleischmarkt wird’s schon richten.“ „Gott gelob’s!“ seufzte die fast überforderte Ex-Beauty-Queen mit dem süßen Kylie-Minogue-Haarverschnitt und küsste innig ihren Gespons. Die anderen Leute, allesamt bei Tafelspitz mit Bier, waren empört und schüttelten ihre Schultern herablassend. „Wie die Tiere!“ kritisierte eine aufmüpfige, ältere Dame mit Mops und Muff. „Des hätt’s zu meiner Zeit net geben“, ätzte ein einbeiniger und pensionierter General. Tohu zahlte bankomatisch und geleitete Abo in die Lokomotive, wo sie dem Lokführer auf dem Rest der Reise auf die Finger schauten. In Wien angekommen hupften sie g’schwind in ein Taxi. Tohu rief dem Fahrer zu: „Zur Café-Konditorei Diglas! Bitte treten Sie auf’s Gas!“
VII
Itsi-Bitsi hatte es sich in der Zwischenzeit gemütlich gemacht. Koala-Mädchen fächelten ihm mit Palmenblättern kühle Luft zu, während er sich im Pool von Rita Hayworth räkelte. während er sich im Pool von Rita Hayworth räkelte. Petrus trat ein durch die Gartenlaube und rief ihm zu: „ Itsi-Bitsi, der liebe Gott erwartet Dich in seinen Gemächern! Komm, kämm’ Dich und zieh’ Dir frische Socken an!“ Im BMW-Cabrio XL2 fuhren sie hinüber nach Katzenhausen und wurden von Bruno Kreisky empfangen. Dieser verbeugte sich stante pede und führte das Getier samt dem ersten Papst die Marmortreppen empor. Als Kreisky die beiden Türportale nach außen öffnete und das strahlende Antlitz Gottes, sitzend auf seinem Jupiterthrone, Itsi-Bitsi blendete, dachte dieser an seine Eltern: „Jetzt wären sie echt stolz auf mich. Weit hab ich’s gebracht.“ Er verneigte sich so tief, dass seine Handrücken den heiligen Boden berührten. „Wie hamma’s denn?“ fragte entspannt die oberste Gottheit. „Wie geht’s? Wie steht’s auf Erden?“ Zu seiner Rechten saß Alfred Gusenbauer und las gerade die neueste Ausgabe von NEWS. „Ignorieren Sie mich einfach“, meinte dieser. „Ich bin hier nur auf Besuch.“ Da Itsi-Bitsi nicht so richtig mit ihm konnte, war ihm dies wurscht. Er wandte sich an den gütigen Señor: „Es geht drunter und drüber. Können Sie nicht etwas unternehmen?“ „Tut mir sehr leid“, entgegnete der weit und breit respektierte Machthaber. „Es liegt nicht in meiner Hand. Es herrscht freier Wille im Erdenhain. Die Menschen wollten es so.“ Er kämmte sich seine Haare zurück, so wie er es wohl von Falco im Fernsehen gesehen hatte. „Eine Zigarre gefällig?“ erkundigte er sich und offerierte Itsi-Bitsi eine goldene Schachtel mit Havannas. Alfred Gusenbauer erhob sich und reichte dem lieben Gott die Pfote. Er verabschiedete sich herzlich und fügte noch hinzu: „Bitte nicht vergessen den Mitgliedsbeitrag für die Partei einzuzahlen für 2006. Deswegen bin ich ja hergekommen.“ Itsi-Bitsi verstand kein Wort und nahm sich ein Haribo-Gummibärchen aus der Meißener-Porzellan-Schale. Er bat den ranghöchsten Haupt-Mann noch um einen kleinen Gefallen: „Haben Sie denn gar keinen Einfluß bei den Irdischen? Mein Vater wurde versetzt zur BAWAG nach Wien. Könnten Sie nicht ein gutes Wort für ihn einlegen?“ Der Weiseste der Weisen kratzte sich am Hinterkopf und antwortete: „Mal sehen, was sich machen lässt. Ich kann aber nix versprechen. Und Itsi, hast Du nicht selbst irgendeinen Wunsch, den ich Dir erfüllen kann?“ „Ja, eine Schischanze wie in Bischofshofen hätte ich gerne für Sepp Bradl und für mich. Und ich möchte Albert Einstein treffen, um ihn zu fragen, ob er wirklich immer verschiedenfarbige Socken trug, wie es mir meine Mutter erzählte. Und eine alte Ausgabe von „Spotlight“ würde ich gerne sehen, mit einem Auftritt von Drafi Deutscher.“ „Da musst Du ORF 1 gucken“, sprach der Herr der Herren. „Aber das andere arrangier’ ich Dir. Ich wünsche jedenfalls noch einen schönen Aufenthalt hierorts. Unser Motto lautet ja: Wir erfüllen jeden und alle Wünsche!“ Itsi-Bitsi verbeugte sich artig. „Ich werde Sie weiter empfehlen“, rief er noch, als ihn Bruno Kreisky sachte bei der Tür hinaus bugsierte. Mit Hans Moser im Fiaker fuhr er zurück zu Rita Hayworth, die ihm nach einem Gin Tonic weitere DVDs von ihren alten Filmen zeigte.
VIII
Tohu gab dem Taxifahrer ein saftiges Trinkgeld. Dieser empfahl ihm noch: „Sagen Sie dem Kellner, Egon hat sie hergebracht.“ Ein kleiner, gedrungener Mann stand auf, als das Ehepaar Känguruh eintrat in das Café Diglas und begrüßte sie herzlich. „Ich habe Sie gleich erkannt“, meinte freundlich Herr Nowotny. „Es ist wahrlich das erste Mal, dass hier Warmblüter das Lokal betreten.“ Er erkundigte sich noch nach der Reise und spendete ihnen zartgefühltes Beileid für das Ableben ihres Sohnemannes, welches in ganz Österreich Schlagzeilen gemacht und Wellen geschlagen hatte. „Macht nix“, entgegnete Herr Tohu. „Er war noch keine Stütze der Gesellschaft.“ Herr Nowotny richtete sich seine goldene Krawattenspange und die platinernen Manschettenknöpfe vom Juwelier Köchert am Neuen Markt, und legte seinen Arm um Abo. „Was machen Sie denn da?“ fauchte empört Tohu. „’Tschuldigen“, meinte betroffen Herr Nowotny. „Ich wollte eigentlich meinen Arm um Ihre Schulter legen. Ich habe sie verwechselt. Sie schauen sich so ähnlich.“ Das männliche Känguruh räusperte sich und trommelte mit seinen Fingern auf den Tisch, wie es einst der Außerirdische Alf gerne tat, während der Kellner Robsi ihnen Malakofftorten mit Schlag servierte. Herr Nowotny legte seinen Arm um die Schulter von Tohu Wabo und sprach einschmeichelnd: „Ich biete Ihnen meinen Posten als Generaldirektor dieses Vereins an. Mir reicht’s! Ich geh’ zurück an die Uni und ruh’ mich aus. Ich piesacke lieber die Studenten, als mich dauernd grün und blau ärgern zu lassen. Ich gift’ mich schon ordentlich! Sie könnten das sicher viel besser, die BAWAG auf die richtige Schiene zu bringen. Außerdem wollen das die neuen Eigentümer der Bank.“ „Das muß ich mir noch gut überlegen“, sagte Tohu und schmatzte gut hörbar seine Lippen. „Und was sind die Bedingungen? Bekomme ich ein höheres Gehalt als früher? Bekomme ich so ein Penthouse, wie man es da oben am Dache sieht? Erhalte ich Optionen auf Aktien? Eine ordentliche Pension? Eine Abfertigung? Eine hübsche Sekretärin? Ein Landhaus in Frankreich? Absolute Immunität? Werden bei mir die Granden der Nation ein- und ausgehen?“ Abo Wabo warf einen bewundernden Blick auf ihren strammen Mann. Sie hatte sich doch den Richtigen ausgesucht, statt mit dem gut aussehenden Tennislehrer ein Gspusi anzufangen. Gerade fesch war ihr Gatte ja nicht, aber dafür aus guter Familie. „Ja, natürlich“, stammelte Herr Nowotny. „Die Bevölkerung wird begeistert sein von Ihnen. Alle werden aufatmen bei so viel Verantwortungsbewußtsein.“ „Könnte ich mit diesem A-Posten auch Einfluß nehmen auf die Koalitionsverhandlungen? Ich habe gehört, sie sind ins Stocken geraten.“ „Alles was Sie wollen, lieber Herr Hu. Alles, was Sie wünschen und begehren.“ „Nun gut. Haben Sie den Vertrag da?“ „Ja, natürlich“, sprach der Nowotny und öffnete seinen Aktenkoffer. Da brachte die zierlich-slowakische Kellnerin Annie Rosar den Kaffee und stolperte dabei so potschert, sodass sie den ganzen Vertrag für den Posten des Generaldirektors mit flüssigem Nespresso übergoß und überdies die Kleidung der ehrenwerten Gesellschaft besudelte. Gottseidank waren die beiden Känguruhs nackt. „Ein Handschlag genügt auch“, tröstete Herr N. seine Gegenüber. „Geht das auch mit einer Pfo-, Pfo-, Pfote?“ stotterte verlegen Tohu. Schließlich schlugen sie ein. Arm in Arm verließen sie die Café-Konditorei Diglas, denn der gütige Univ.-Prof. wollte Herrn Tohu Wabo noch sein neues Anwesen, das Penthouse am Dache zeigen. Der Vormieter, Herr Verzetnitsch, war vorige Woche kurzerhand mit einem Fußtritt hinaus befördert worden.
IX
Sie fuhren zu viert im Jeep. Itsi-Bitsi lenkte das Gefährt, da er als Willkommensgeschenk den Führerschein von Jochen Rindt erhalten hatte. Neben ihm saß der Prophet Elias, hinter ihnen Toni Sailer und Romy Schneider. Sie fuhren den hohen Berg Ararat empor, wo einst die Arche Noah gestrandet war. Oben angekommen stärkten sie sich mit original-ungarischen Langos am Buffet und dann zeigte Elias dem jungen Känguruh die Fernrohre, in die sie 5-Schilling-Münzen einwarfen: „Hiermit kannst Du den 7. Kreis der Hölle sehen.“ Itsi-Bitsi schaute interessiert durch das Guckloch und schrie auf: „Dort sehe ich ja Josef Klaus, Alfons Gorbach und Hermann Withalm!“ Zur gleichen Zeit machte Toni Sailer der angebeteten Romy einen Heiratsantrag. „Aber wo ist Wolfgang Schüssel?“ fragte unser Held. „Der sitzt im 8. Kreis, dem Schmollwinkerl“, antwortete Elias trocken. „Aja, da seh’ ich ihn schon. Und er spielt gerade mit Wilhelm Molterer eine Runde Schnapsen.“ Elias streichelte seinen langen, geflochtenen Bart und meinte: „ Sie kamen leider oder gottseidank zum Handkuß.“ Toni Sailer schnallte nun seine Brettln an und wedelte mit seiner Frischverlobten von der Anhöhe ins Tal, während Itsi-Bitsi sich im Schnee tollte und am Rücken hin und her wendete wie ein Hund oder ein Esel. Dann erhob er sich und putzte sich gut ab. Er wendete sich zu dem alttestamentarischen Heiligen: „Könnten Sie nicht helfen, die verfahrenen Koalitionsgespräche wieder in Gang zu bringen? Unser guter Fischer vom Staatsschiff ist verzweifelt!“ „In der biblischen Geschichte gibt’s zwar keine Freunderlwirtschaft, aber ich werde meine guten Beziehungen spielen lassen. Mit Geld oder Gott läßt sich viel machen! Und das Eine schließt das Andere nicht aus!“ Sepp Bradl hatte sich dazu gesellt und schlug Itsi-Bitsi und Elias vor, für einen Jagatee in die Hütte „Zum Erzherzog Johann“ einzukehren.Sie nahmen brav ihre Kopfbedeckung vom Haupte und traten in die warme Stube ein.
X
Tohu hielt seiner Frau die Türe zur Filiale der Handelskette mit dem 2-buchstabigen Namen auf und offensichtlich war das Geschäftspersonal überrascht sie zu sehen. „Wir hätten gerne etwas Gewand, wir haben es satt, nackt herum zu laufen. Außerdem bin ich der neue Generaldirektor der BAWAG und muß repräsentieren.“ „Da haben wir was Schönes“, meinte die Verkäuferin, nun schon etwas mehr beeindruckt. „Aber ich weiß nicht, ob wir Ihre Größe haben. Sie haben so einen großen Schwanz. Ich hätte da etwas, ein Set für Sie und für Ihn: Ein rotes Ledergilet mit olivgrünen Hosen und einem gelben Gürtel. Echt megageil, unisex Style.“ Tohu und Abo kleideten sich in der Umkleidekabine ein und begutachteten sich im Spiegel. „Die nehmen wir, und auch die Moonboots um 2,80 Euro.“ Sie zahlten mit einem Scheck der Barclay’s Bank und spannten ihren australischen Sonnenschirm auf, als sie die Kärntner Straße wieder betraten. „Geh’n wir rasch zurück zu unserem Penthouse. Heute kommt ja Universitätsprofessor Van der Bellen zu Besuch. Ich wollte mit ihm über das Parlamentarische und auch das Eingemachte sprechen. Und ob er uns Känguruhfutter besorgen kann. Er wird Verständnis haben für unsere Situation.“ Dann gingen sie beim Hauptpostamt am Fleischmarkt vorbei, um ihren zahlreichen Cousins, Tanten, Onkels und weiteren Anverwandten Sachertorten mit Schlag und Aida-Kaffee nach Australien zu schicken. Anverwandten Sachertorten mit Schlag und Aida-Kaffee nach Australien zu schicken. Am Weg zurück kaufte Tohu seine erste Ausgabe des Augustin. Frau Abo sagte zu ihrem Manne: „Ich möchte mir von dem netten, alternativen Professor noch Tipps holen über das Einmachen von Marmeladen.“ Dann fuhren sie himmelwärts im schicken Gewerkschaftsaufzug.
XI
„Herr Van der Bellen? Ich begrüße Sie sehr herzlich!“ sagte der Hausherr, als die Numero 1 der Grünen in sein Penthouse eintrat. „Na, hier ist’s schön! Sowas kenne ich nur aus Hollywoodfilmen.“ „Wie Sie wissen, bin ich hier der neue Generaldirektor, wohne nun standesgemäß und möchte mich auch politisch in die Szene einbringen. Ich würde gerne helfen. Wir Känguruhs sind sehr gutmütig und werfen immer ein Auge auf unseren Freundeskreis. Wir sind Herdentiere.“ „Na, ein bisserl Unterstützung können wir hier schon gebrauchen. Die Koalitionsverhandlungen stocken. Könnten Sie nicht als Schiedsrichter fungieren? Um die beiden Streithähne SPÖ und ÖVP wieder an den Verhandlungstisch zu bringen?“ „Wenn Sie mir 6 Monatsvorräte Känguruhfutter und 50 Gläser Skippy-Erdnußbutter mit dem Känguruh-Logo drauf besorgen, so regle ich das und es wird sich alles zum Guten wenden für die Republik Österreich.“ „Ist geritzt. Wären eventuell auch Sie, mein lieber Herr Tohu Wabo Hu, bereit als Kompromißkandidat den Bundeskanzler zu stellen?“ „Ich glaube der Job als Generaldirektor der BAWAG wird mich voll in Anspruch nehmen. Zweitposten werden auch nicht sehr goutiert von der Bevölkerung. Wir werden sehen, was sich ergibt. Que sera, sera!“ Da brachte Frau Abo grünen Tee und servierte Müsli mit frischer Landmilch auf einem Tablett. Herr Professor Van der Bellen schlürfte den brühwarmen Tee und meinte: „Man muß das Eisen schmieden, so lange es heiß ist. Sie haben hier einen Newcomerbonus. Und machen Sie sich nix draus, wenn Sie als Tier angefeindet werden als Unmensch. Und als Ausländer werden Sie’s doppelt schwer haben. Doch der eiserne Arnie hat es in der USA auch geschafft!“ „Ich bin ja kein gefährdetes Tier. Wenn die mich kaltstellen oder umlegen, so kommt ein weiteres Känguruh nach. Ich hoffe jedenfalls, dass ich Ihrem Land unter die Arme greifen kann. Es gibt hierorts viele arme Würstel.“ Sie genossen gemeinsam das Müsli vom Gourmet-SPAR am Fleischmarkt Nr.3-5. Der grünäugige Akademiker schnalzte mit der Zunge, erhob sich und verabschiedete sich dann mit einer Verbeugung und einem Pfotenkuß für Frau Wabo. Er streichelte Tohu zum Abschied den Rücken mit den einprägsamen Worten: „Wir könnten alle ein paar Streicheinheiten vertragen“.
XII
Itsi spielte gerade Ping-Pong mit dem Vorsitzenden Mao-Tse Tung. Heute war er etwas nachdenklich. Er dachte wieder an seine kleine Freundin Maritsi-Bitsi und seine Eltern gingen ihm ab. Selbst die manchmal gestrengen Worte seines Vaters klangen in der Erinnerung wie das Adagio ma non tanto des Brandenburg Concertos Nr.6. Und er schwelgte in Gedanken an die gebackene Banane mit Schlag und Honig, die seine Mutter immer an seinem Geburtstag zubereitet hatte. Man reichte ihm ein Glas Saki, doch Itsi-Bitsi lehnte ab. Er nahm sein Handy und wählte die Nummer vom lieben Gott (0-700-100-700). Dieser meldete sich mit dem Spruch: „Hier Gott, wer dort?“ „Ich bin’s, Itsi-Bitsi, der Neuling im Himmelreich.“ „Ich hoffe, Du genießt die Vorzüge des überirdischen Daseins in vollen Zügen. Ich habe gehört, Du hast mit James Dean Pinball gespielt.“ „Ja, ich weiß“, sagte ein wenig traurig der Kleine. „Aber ich hege Heimweh.“ „Aber Du hast doch hier alles, was Du Dir nur wünschen kannst. Alles ist im Überfluß!“ „Aber ich möchte wieder nach Hause!“ „Du bist aber hier ein richtiger Star! Dort warst Du doch nur ein Volksschüler unter ferner liefen.“ „Ich möchte zurück zu meiner Familie und zu meiner Freundin. Das ist der Himmel für mich. Bitte laß mich ziehen, so wie einst Maximilian der letzte Ritter aus Innsbruck von dannen ging.“ „Nun gut. Ich werde Dir dabei helfen. Gottseidank bin ich allmächtig, obwohl mir das die Menschen nicht abnehmen und an die Selbstbestimmung glauben. Ihre kleinkarierten Wahlen sind ja nur eine Farce.“ „Aber was ist aus meinen Eltern geworden? Ist mein Vater noch in Österreich oder ist er retour gegangen nach Sydney, um wieder als Springer zu arbeiten?“ „Komm, Itsi-Bitsi, komm rüber und besuche mich. Schauen wir auf meinen VIP-Gottes-Bildschirm, da können wir alles mitverfolgen.“
Zwanzig Minuten später setzten sie sich auf die mit Gobelins verzierten Couchsessel und drehten den Wunderapparat an. Dr. Pittermann und Benya servierten ihnen Cocktails mit einem Schirmchen und blauem Zuckerrand.
XIII
„Gehen wir doch hier in das „Beisl zum Hirnederl“, sagte suggerierend HC Strache zu Tohu Wabo, als sie die Ottakringer Straße hinunter schlenderten. Der Neo-Nationalrat legt seinen Arm um Tohus Gattin und meinte zu ihr: „Na, Du bist a wirklich fesche Katz!“ „Unterlassen Sie das!“ erhob Tohu Einspruch und streute etwas später Salz in das Bier des Hemmungslosen. Es war augenscheinlich, dass seine zarte Gattin früher eine Schönheitskönigin gewesen war. „Der grüne Professor hat Dich empfohlen als Restart-Motor für den politischen Dornröschenschlaf, welcher uns derzeit übermannt.“ „Ich helfe, wo ich kann.“ „Ich finde Dein Aussehen zwar etwas abartig und sehr unösterreichisch, aber vielleicht wärst Du ein guter Kompromißkandidat als Regierungschef.“ „Ich stehe nicht zur Verfügung. Ich habe alle Hände voll zu tun mit Arbeit. Ich muß die BAWAG wieder auf Touren bringen.“ HC Strache nahm seine Brille von der Nase und schielte zum Känguruh hinüber: „Du hast aber einen großen Schwanz!“ „Das tut hier nichts zur Sache. Ich meine, Sie könnten Ihre Nationalratsmandate den Grünen überlassen, dann könnte man eine arbeitsfähige Regierung bilden.“ „Bled werd’ ich sein! Du sprichst aber gut Deutsch für ein Känguruh. Ich hoffe, Ihr integriert Euch bald. Laßt uns mit einem Bierli anstoßen!“ Frau Abo erhob ihre Tasse Earl Grey Tee und die drei Trinkgefäße erklirrten. Sie unterhielten sich noch eine Weile über die Finanzen der BAWAG und waren danach am Sprung. “Ich hätt’ Dich gern als Kanzler“, sagte zum Abschied HC Strache. „Du bist a patenter Kerl!“
XIV
Dr. Gusenbauer boxte Tohu spielerisch in die Rippen, als sie zum Plachutta in der Wollzeile eintraten. „Hier gibt’s guten Spargel und Wein“, sagte der SPÖ-Vorsitzende. Tohu boxte kurz zurück, so wie es die Känguruhs tun, und ließ seiner Gattin den Vortritt. Sie machten es sich gemütlich und Alfred Gusenbauer meinte beim Prosecco aus Umbrien: „Professor Van der Bellen und HC Strache haben Sie als Patentlösung für den Posten als Bundeskanzler vorgeschlagen, aber so leicht bin ich nicht zum Aufgeben bereit.“ „Ich stehe auch nicht zur Verfügung.“ „Und wie wär’s mit Ihnen, Frau Abo Wabo?“ wendete sich Gusi an die Gattin des Generaldirektors. „Sie sind ja eine strahlende Schönheit und so sanft. Und so ruhig. Mit Ihnen würden alle auskommen. Und die männliche Bevölkerung wäre begeistert!“ „Ich weiß nicht, ob ich die notwendige Erfahrung dazu habe. Ich war bisher Pflegerin der Schwiegermutter des Premierministers von Australien.“ „Da waren Sie also sozusagen schon im Business und hautnah am Geschehen.“ „Ich war tatsächlich bei vielen politischen Beratungen anwesend und habe oft meinen Senf beigesteuert.“ „Das klingt ja wunderbar! Für so eine liebe und wunderschöne Dame würde ich meinen Anspruch auf das Kanzleramt zurückstellen. Die Grünen, die FPÖ und wir würden Sie sicherlich wählen und unterstützen. Sie wären die Rettung für unser Land!“ Zuerst strahlten ihre Jungmädchen-Augen, doch dann wurde ihr Blick etwas trüb. „Hab’ ich etwas Falsches gesagt? Wieso sind Sie so nachdenklich? Hätten Sie nicht Lust?“ „Ich dachte nur gerade an unsern Sohn, der verschieden ist.“ „Das macht doch nichts, wenn er verschieden ist. Wir leben in einer multi-kulturellen Gesellschaft!“ „Er hat leider den Löffel abgegeben, meint sie“, sprach Tohu. „Er ist nicht mehr. Er geht uns sehr ab.“ „Das tut mir wirklich leid“, kondolierte der Chef der Genossenschaft. „Aber vielleicht lenkt Sie ein Regierungsposten etwas ab und bringt Sie auf andere Gedanken.“ „Ich werde mir das Angebot gut überlegen“, sagte Frau Wabo. „Und Sie glauben, dass HC Strache tatsächlich für mich stimmen würde?“ „Ja, sicher. Alle würden rasend zufrieden sein, natürlich alle außer Wolfgang Schüssel. Der ist ja mit nix und wieder nix zufrieden.“ Den Rest der Mahlzeit erzählten Tohu und Abo von ihrer glücklichen Kindheit am Strand von Sydney, von ihren Besuchen in der Oper bei „Aida“ mit Kiri Te Kanawa und Tohus Gewinn eines Gemäldes von Jackson Pollock bei der National Australian Lottery im Jahre 1999. Nach dem Austausch einiger Höflichkeiten und etwas Diskussion, ließ der Vorsitzende der Linkspartei Tohu die Rechnung begleichen. „Ich kann’s ja als Geschäftsessen der BAWAG verrechnen“, meinte dieser noch trocken, als sie den Regenschirm aufspannten und hinaus auf die Straße traten.
XV
Itsi-Bitsi hatte sich in der Zwischenzeit mit Frank McCourt angefreundet, der nun auch im Himmel gelandet war. David Coptipopti hatte ihn nicht nur in ein Schwein verwandelt, sondern ihn nachher, wegen des guten Schinkens, auch abgestochen und damit in die ewigen Jagdgründe verfrachtet. Wie Itsi-Bitsi war auch Frank unzufrieden und rastlos in den überirdischen Gefilden. So wollten beide zurück zu Mutter Erde: Der aufrechte Frank wollte wieder auf seinen Posten in der Sydneyer Stadthalle, wo er großen Stars wie den Bee Gees gratis zuschauen konnte, und das kleine Känguruh sehnte sich nach seinen Eltern und nach seiner jungen Gespielin. Als sie beim Trampolinspringen in der Ferne ein Raumfahrzeug entdeckten, heckten sie einen Plan aus. Sie meldeten sich per Handy bei Petrus ab und gaben vor, sich zu einem Gelage mit Heinrich VIII. und seinen 7 Frauen zu begeben. Dann huschten sie zu dem Gefährt, brachen es auf und schnallten sich im Cockpit an. Frank McCourt hatte viele Folgen vom „Raumschiff Enterprise“ gesehen und kannte sich mit dem technischen Firlefanz perfekt aus. Frank McCourt hatte viele Folgen vom „Raumschiff Enterprise“ gesehen und kannte sich mit dem technischen Firlefanz perfekt aus. Sie starteten die Motoren, erhoben sich in die Lüfte und düsten ab in Richtung Uranus. In der Milchstraße angekommen begaben sie sich in den luftleeren Raum am Ende des Hecks, wo Frank sie, durch das energische Drücken eines Alphabeta-Hebels, zurück auf die Erde beamte. Plumps! Das ging aber rasch! Zurück waren sie in Wien, und zwar auf einem Fließband der Verbrennungsanlage Spittelau. Nun war höchste Eile angesagt, sonst würden sie sofort in ihr Verderben schlittern! Gerade noch konnten sie herunter springen, bevor sie die übermenschliche Hitze erfaßte, welche sie sicherlich stracks entsorgt und zurück in den Himmel befördert hätte. Sie schlichen sich aus der hitzigen Anlage in Schlangenlinien heraus und lugten dabei einem wahnwitzigen Arbeiter über die Schulter, welcher gelangweilt eine Zeitung studierte. Da sah Itsi-Bitsi ein Foto seiner Mutter, welche als neue Bundeskanzlerin angelobt und gelobt wurde. Ein weiteres Bild zeigte seine Eltern in Frack und Abendkleid, sein Vater vollgekleckert mit Orden, beim Hinaufschreiten der Treppen beim Opernball. „Look, Frank! Das sind meine Eltern!“, rief er dem ehemaligen Schweinemann zu. Sie stiegen ohne Fahrschein in die U 4 ein und fuhren zum Schwedenplatz, wo sie die Videoüberwachung erfaßte. Aber mittlerweilen waren die Behörden in Wien die Schwemme mit Känguruhtieren schon gewohnt. Sie hatten alle Schalthebel der Macht übernommen. Frank und Itsi-Bitsi spazierten die Rotenturmstraße hinauf, wo ganz zufällig Tohu Wabo gerade seine Wohn- und Arbeitsstätte verließ. Sie fielen sich in die Arme. Der Generaldirektor erkannte auch gleich den Officer von der Stadthalle, der eine solche Opferbereitschaft für seine Mitkänguruhs an den Tag gelegt hatte. Er bot ihm sogleich eine Anstellung als Springer in der BAWAG-Filiale im Gasometer an und Mr. McCourt, welcher später noch als Literat Karriere machen würde, willigte instinktiv ein. Sie nahmen den Aufzug ins Penthouse, wo Abo beim Anblick des verlorenen Sohnes aus allen Wolken fiel und vor lauter Tränen nur vor Glück weinen konnte. „Bist Du’s wirklich? Bist Du’s, mein kleiner Großer? Wo warst Du? Du mußt alles erzählen!“ Daweil telefonierte Tohu mit seinen betuchten Freunden im Vorzimmer und kehrte dann zurück zur übersprudelnden Gesellschaft. Zu seinem Sohn offenbarte er: „Du kannst den vakanten Job von Helmut Pechlaner als Direktor des Schönbrunner Zoos übernehmen. Ich habe für alles gesorgt.“ Itsi-Bitsi setzte sich nach einer Jause mit Guglhupf und Kakao an den Computer und schrieb einen Lagebericht an Maritsi-Bitsi nach Australien. Nun war sein Glück vollkommen. Nun waren alle selig. Österreich war wieder im Lot und auf Schiene. Ja, selbst Peter Pilz konnte sich endlich einmal beruhigt zurücklehnen. Nur der liebe Gott im hohen Himmel war enttäuscht, dass erstmals seine getreuen Schäflein es vorgezogen hatten, auf Erden zurückzukehren. „O tempora, o mores“, dachte er sich, wählte auf seinem Handy die Nummer seines derzeitigen Stellvertreters Prinz Eisenherz und fragte ihn: „Was hat Österreich, was wir nicht haben?“
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