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 KURZGESCHICHTEN
Deutsch

WEIHNACHTEN IST DIE SCHÖNSTE ZEIT
 

Natalie freute sich schon riesig auf Weihnachten. Dieses Jahr würde endlich ihr innigster Wunsch in Erfüllung gehen, denn ihre Eltern hatten ihr zugesagt, dass sie heuer ein richtiges Schlittenpferd bekommen würde.
Natalie wohnte auf einem Bauernhof am Lande und ihre große Sehnsucht war es in einer Kutsche oder in einem Schlitten spazieren zu fahren, doch ihre Eltern konnten sich nie ein Pony leisten. Sie hatte schon viele Hefte und die Wände ihres Zimmers vollgeklebt mit ausgeschnittenen Fotos von Pferdchen, Eseln, Elefanten, Kamelen und Bernhardinern - von allen jenen Tieren, die sie durch den Garten und die Felder ziehen könnten.
Ihre Cousine Herta und ihr Cousin Herbert hatten so ein kleines Kutschengefährt mit ihrem eigenen Pferdchen auf ihrem Gut und ab und zu durfte sie auch mitfahren. Doch Herta und Herbert waren aus begütertem Haus und Natalies Eltern erklärten ihr immer wieder, dass sie schon genug Ausgaben für das tägliche Leben hatten.
Doch Natalies Vater hatte in den letzten Jahren auf einigen Feldern Kürbis und Kartoffeln gepflanzt, welche er umweltfreundlich ohne Pestizide großzog. Einige Supermärkte rauften sich untereinander um diese Produkte zu erwerben, und deshalb waren die Einkünfte vom Vater kürzlich sehr in die Höhe geschnellt.
Eines Tages nahm die Mutter Natalie in die Arme, hob sie hoch und erklärte ihr, dass sie heuer zu Weihnachten vom Weihnachtsmann wahrscheinlich ein Pferdchen bekommen würde.
Natalie konnte ihr Glück kaum glauben und ging jetzt regelmäßig zu Herta und Herbert hinüber, um ihnen zuzuschauen.
Ihr Vater fertigte ihr nun einen kleinen Schlitten an. Sie sah ihm stundenlang begeistert zu wie er sägte, nagelte, schmiergelte und das Holz schließlich mit Lack und Farbe anmalte.
Eines Tages war sie wieder bei ihrer Cousine und ihrem Cousin zugegen, als ein Unfall passierte. Herbert kletterte ohne Erlaubnis auf das kleine Pferd und wollte Cowboy spielen, doch der Vierbeiner bewegte sich plötzlich zu der Wassertonne hin und Herbert fiel hinunter. Er weinte fürchterlich und es stellte sich heraus, daß er sich das Fußgelenk arg verstaucht hatte.
Natalie lief nach Hause und berichtete dies tränenvoll ihren Eltern. Doch diese reagierten ganz anders, als sie erwartet hatte, und sagten plötzlich, dass aus ihrem Weihnachtspferd doch nichts werden würde, da dies viel zu gefährlich für ein kleines Mädchen sei. Jetzt flossen die Tränen erst recht und Natalie war ganz unglücklich.
Der Monat November war nun schon fast vorbei und Natalie entschloß sich einen letzten Versuch zu unternehmen. Sie schrieb einen langen und ausführlichen Brief an den Weihnachtsmann, worin sie ihre Geschichte erzählte und ihn schließlich bat, ihr ein ungefährliches Pferdchen, einen Esel oder einen großen Hund zu schenken. Sie gab den Brief in ein Kuvert, legte ihn ins Fenster und am nächsten Tag war der Umschlag nicht mehr dort.
Die nächsten Wochen vergingen langsam für Natalie. Die ersten
Schneeflöckchen fielen herab und sie ging mit ihrem Vater in den Wald einen Weihnachtsbaum abschneiden. Sie half ihrer Mutter beim Saubermachen und beim Keks- und Kuchenbacken. Sie bastelte in der Schule schönen Weihnachtsschmuck und kleine Krippenfiguren aus Holz.
Schließlich kam der Weihnachtstag und Natalie hatte gemischte Gefühle.
Am Abend wurde der Tannenbaum entzündet und die Mutter spielte Klavier, während die ganze Familie Weihnachtslieder sang. Unter dem Baum waren viele, kleine und große, bunte Päckchen und Natalie durfte sie austeilen. Alle freuten sich sehr über die vielen schönen Geschenke und Natalie war glücklich über die kleine Prinzessinenpuppe mit den langen Zöpfen.
Ein bißchen Wehmut schlich sich auch bei ihr ein, denn ihr größter Wunsch war nicht in Erfüllung gegangen.
Doch plötzlich hörte sie ein lautes Glockengeläute und die Sterne am Himmel schienen aufzuleuchten. Sie schaute neugierig aus dem Fenster und konnte ihren Augen nicht glauben.
„Das gibt es doch nicht!“ staunte die Mutter, während der Vater und Natalie mit offenem Munde dastanden.
Ein Schlitten mit acht geschmückten Renntieren war gerade aus der Luft in ihrem Vorgarten gelandet. Ein etwas rundlicher Mann in einem roten Gewand mit einer langen Zipfelmütze und weißem Bart machte die Zügel an der Scheunentüre fest und näherte sich dem Haus.
Natalie stieß die Türe auf und rief: „Hallo, lieber Weihnachtsmann! Ich wußte Du würdest kommen!“, und lief ihm in die Arme.
„Na, hoppla, Du bist wohl die kleine Natalie“, sagte der liebenswerte Santa Claus. „Ich komme um Dich zu überraschen.“
Er begrüßte die Eltern und reichte in seinen großen Sack, um der Mutter ein von seinen Heinzelmännchen besticktes Tischtuch und dem Vater einen edlen Wein aus seiner Kellerei am Nordpol zu überreichen.
„Nun, komm mit, mein kleines Mädchen. Ich möchte Dir etwas zeigen“, sagte er, nahm sie an der Hand und ging mit ihr zu seinem Schlitten.
Sie bestaunte das bunte, mit hunderten Glöcklein geschmückte Gefährt, als sie unter den Beinen der Tiere eine Bewegung entdeckte. Da schmiegte sich ein kleines, sehr niedliches Jungrenntier an seinen Vater und schaute schüchtern hervor.
„Jö, ist der goldig!“ rief sie erfreut aus.
„Das ist das Söhnchen meines Renntieres Prancer und ich habe es Dir mitgebracht. Er heißt Massy und paß gut auf ihn auf. Du mußt ihm regelmäßig das Fell massieren und ihm genug zu essen und zu trinken geben.“
„Mama! Papi! Schaut was ich bekommen habe! Darf ich ihn behalten? Massy ist so süß!“
Sie streichelte ihn, während ihr Vater den angefertigten Schlitten aus der Scheune holte.
Santa hob sie auf den Sitz, spannte das kleine Renntier ein und gab ihr die Zügel.
„Sei aber lieb zu ihm“, mahnte die Mutter und Natalie rief: „Bitte hü hopp, lieber Massy!“, und ihr neuer Freund bewegte sich in Richtung zum Haus.
Die Eltern baten noch den Weihnachtsmann in ihre warme Stube auf eine Tasse Zimt-Tee und Knusperkeks. Er zögerte zuerst, da er noch weit reisen musste, doch dann nahm er seine Zipfelmütze ab und trat ein in das heimelige Haus, wo ein willkommenes Feuer knisterte.
Die Familie bedankte sich überschwenglich und Natalie kletterte auf Santas Schoß, während er seinen Zuhörern zu erzählen begann von vergangenen Erlebnissen, manche erfunden, manche wahr, doch alle voll silbernem Glanz und lieblichem Wunder.


Das Jobinterview des Hasen Mathias | Das Wunder vom Auge Gottes