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 KURZGESCHICHTEN
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AUF DER SUCHE NACH DER GOLDENEN GITARRE
 

Auf der Suche nach der Goldenen Gitarre (2. Teil)

(Im 1. Teil erfuhren wir, daß Andy Anders von Wien aufgebrochen war, um die mystisch-legendäre Goldene Gitarre zu finden, da er deren Wunderklang auf seinen CDs einzusetzen gedachte. Wir hörten von seiner nächtlichen Reise durch die Toskana zu Alfons Maghrebian, dem Alleweltserfinder und Alchemisten, und von seiner Schiffsfahrt nach St. Lucia um Dr. Wifi McLeggan und seine Assistentinnen zu konsultieren, wir erschraken bei seiner Gefangennahme durch die wilden Bopurus in der Einöde der südlichen Sahara und wir freuten uns riesig über seine unerhoffte Rettung durch den Verleger des Zeitgeistmagazins „Intel und Intellekt“. Wir verfolgten seiner Genesung im Kurhotel Wanderstal und nehmen seine Spur wieder auf in den Tagen nach Andy’s Erhalt eines geheimnisumwitterten Briefes.)


Der Tau war naß und morgenfrisch, als Andy Anders sich in seinem Schlafsack wälzte und langsam die Augen öffnete. Eine Lerche wünschte ihm einen guten Morgen und die verschlafene Sonne blinzelte durch die grasgrünen Blätter.
Er wusch sich in dem vorbeirauschenden Bach und vergaß nicht auf’s Zähneputzen.
Er kochte sich einen Kaffee über dem offenen Feuer und hockte sich auf einen Felsen, um den Brief nochmals zu studieren. Sein guter, alter Freund aus den College-Tagen, Robert Jedermann, riet ihm eine Zigeunerin namens Jasenca in Subica an der böhmischen Grenze wegen der Goldenen Gitarre zu befragen.
Er trug seinen Abfall zum Mistkübel, sammelte seine Habseligkeiten ein und sattelte sein Pferd. Bald war er waldein feldauf unterwegs und gelangte um die Mittagszeit nach Mistelbach, wo er wieder seine Landkarte zu Hilfe nahm. Er hatte fest vor die restlichen Kilometer noch am selbigen Tage zu bewältigen.
Die Sonne senkte sich gerade jenseits der Täler, als er in Subica einlangte. Er fand die Zigeunerin beim Ziegenmelken am Rande des Dorfes und bat sie um eine kurze Unterredung.
„Du suchst die Goldene Gitarre, mein Guter?“ erkundigte sie sich augenzwinkernd. „Da must Du hoch hinauf in den Norden zu den sagenhaften 2 Turteltauben in Bredniaksowutschtulaguredniaktuvrediansti in Südpolen. Die haben, ich sag’s Dir als gehütetes Geheimnis, ein rot und goldenes Ei gelegt vor 77 Tagen. Darin magst Du die Goldene Gitarre mit dem wundermächtigen jingle-jangle Silberklang finden! Viel Glück, Fremder! Dies wagte noch keiner vor Dir! Und hüte Dich vor dem schlackshalsigen Gral!“
Mit diesen Worten verschwand sie plötzlich von dieser Welt, als sei sie nie da gewesen.
Andy machte es sich im Heuschober bequem und schlief den tiefen Schlaf des Gerechten, während sein Pferd heftig an den Pelargonien und Narzissen im Garten der Zigeunerin naschte. Bei Tagesanbruch meckerten die Ziegen so laut, daß Andy’s Rock-Träume unterbrochen wurden.
Er kaufte in der dortigen Gemischtwarenhandlung frisches Gebäck, Eier und weiteren Proviant für die lange Reise ein und kletterte auf sein trojanisches Pferd. Wie Don Quichote vor ihm stand ihm die Erfüllung seines Traumes vor Augen. Wie Patrick Henry einst im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg ausrief “Give me liberty or give me death!“, so war ihm kein Obstakel zu mühsam oder zu tentakelreich. Schon nach einigen Stunden Rittes erreichte er Willowsville am Schlangenriver.
Die dort ansässigen Indianer tanzten gerade um einen Marterpfahl, wo ein Fußballer aus ihren Reihen, der ein Eigentor geschossen hatte, festgebunden war.
„Laßt ihn doch laufen!“ rief Andy Anders entsetzt.
„Was willst Du fremder Bleicher?“ sprach der Unterhäuptling. „Geh Deiner Wege und lasse uns unbehelligt mit Deiner moralstrotzenden Zivilisation. Wir sind hier alle glücklich, was soll’s?“
„Ja, alle außer ihm!“ empörte sich unser Andy auf Strozzobald gestikulierend.
„Die Ausnahme bestätigt hier bei uns die Regel“, entgegnete weise und weisend der Schamane Winterthur. „Eure Zivilisation hat auch ihre Zivilisationskrankheiten.“
Während sich das Volk vor den Vorgesetzten tief verneigte, zog Andy blitzschnell sein Bowiemesser und schnitt Strozzobald die Lederriemen an Händen und Füßen durch.
Sie rannten in noch-schneller-als-Windeseile zu ihrem Pferd bzw. Esel und trollten sich auf und davon. Nun hatte Andy einen wahren Freund und Pancho Sansa gefunden, der ihm getreu zur Seite stehen würde. Alles, ja alles, würden sie sich von nun an teilen, außer, natürlich, die Frauen.
Sie hasteten durch Gebüsch und über Stock und Stein und warfen sich dann erschöpft in ihr Abendbett in der niedlichen Pension Bettina in Kulumbar, dem Geburtsort des legendären Befreiers von Nordböhmen, Krostni Evric.
Schlag Mitternacht erwachte Andy Anders und rüttelte seinen neuen Freund und Bewacher.
„Weißt Du, wo wir weitere Informationen bekommen können über das rot und goldene Ei der zwei Turteltauben?“
„Probieren wir es doch bei Universitätsprofessor Slidinca Karnevur in Postslawonien“, murmelte schlafetrunken Strozzobald und schloß die Augen wieder zu.
Am nächsten Tag machten sie sich tapferen Mutes auf den Weg und gelangten nach drei Stunden Galopp zu der Dacha vom Professor.
Dieser bot ihnen einen Drink an und meinte dann sinnierend in slawonischer Sprache: „Ka si runzti fra? Kal tin in Bredniaksowutschtulaguredniaktuvrediansti.“ („Du meinst die Turteltauben, die vor 79 Tagen gebaren? Die findest Du in Bredniaksowutschtulaguredniaktuvrediansti.“)
„Das war mir bereits bewußt“, antwortete Andy. „Doch wo genau in Bredniaksowutschtulaguredniaktuvrediansti? Bredniaksowutschtulaguredniaktuvrediansti ist ein Riesengebiet.“
„Naslatja kandi uburu“ („Links bei der knolligen Eiche beim alten Dorfschild“), erklärte der Professor und setzte fort: „Sindi livi kandi: Rindu ebo!“ („Aber ich nehme fast an das mit den Turteltauben ist symbolisch gemeint: Die Turteltauben sind die Liebe, das rot und goldene Ei ist Dein eigenes Herz. Dort must Du suchen!“)



Fortsetzung (3.Teil) folgt


Johnny & the Emeralds