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FORTUNA UND JUSTITIA
 

Es gab einmal in unsrer Stadt
Den Kunstliebhaber Habersatt
Er wohnte mit Frau, Kind und Kegel
In Grinzing draußt am Schreiberwegel

Verkehrt hat er in feinen Kreisen
Und ging oft zum Plachutta speisen
Mit Gottfried Kumpf und Hubert Schmalix,
Mit dem Portisch und Frau Calix

Herr Habersatt, Vorname Marten,
Hatte im Leben gute Karten
Mit den Geschäften und den Bildern,
Dies möcht’ ich nun wie folgend schildern:

Er kam zu mir an einem Morgen
Ins Atelier ein Bild zu borgen
Wollte beschmücken sein Büro
(Er hängte es jedoch auf’s Klo)

Bald kam zu ihm Eugen Malwinskis
Um zu erwerben drei Kandinskys
Dieser gemusste mal hinaus
Und sah mein Bild am stillen Haus

Malwinskis sprach: „Das Bild ist so
Schön – es ist zu schad’ für’s Klo
Ich geb’ Dir für den ‚Langobarden’
Mindestens 500 Milliarden„

Herr Habersatt, er war verlegen,
Sagte: „Ich muss mir’s überlegen
Ich möcht’ mich erst noch kurz beraten„,
Denn er roch schon den fetten Braten

Zurückgezogen rief er dann
Mich schnell vom Hinterzimmer an
„Mein Alter„, sprach er abgehoben,
„Dein Bild muss man fürwahr sehr loben

Es paßt so gut an meine Wand –
Ich geb’ Dir 100 auf die Hand.
Und sei es auch kein Butterbrot
Ich helf’ Dir gerne in der Not„

Die Meldung kam für mich gelegen
Ich war zur Zeit um Geld verlegen
Ich sagte ihm: „Ich schlage ein„
Er meinte nur: „So ist es fein„

Ich konnte nun die Miete zahlen
Und wieder weit’re Bilder malen
Herr Habersatt fuhr nach Paris
Und kaufte sich einen Matisse

Es war Geheimnis mir allein
(Nicht wollt’ ich gelackmeiert sein)
Das Bild hatt’ ich, ohne zu gucken,
Gemalt ganz rasch in 5 Minuten

Die Augen macht’ ich dabei zu
Und fertig war das Bild im Nu
Bemerk’ (das weiß wohl jedes Kind),
Auch die Justitia ist blind

Und trüget mich nicht mein Gespür
So ist Fortuna holde mir
Und ich zieh’ bald ans Schreiberwegel
Mit Sack und Pack, Frau, Kind und Kegel

„Talent will out„ sagt der Experte,
Berufend sich auf höh’re Werte,
„Nur ein ganz mieser Dilettant
Wird nicht erfolgreich und bekannt„

Und möchst auch Du einmal erwerben
Ein Bild von mir für Deine Erben
Dann denk’ daran (bist Du auch willig),
Meine Gemälde sind sehr billig.






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