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ERRETTE UNSER ÖSTERREICH!
 

Frau Merle aus Ober St. Veit,
Hatte niemals genug Zeit
Von morgens früh bis abends spät
Für eine Pause, ein Gebet

Schrill läutete der Gockelwecker,
Sie riss heraus den elend’ Stecker
Die Sonne blinzelte herein,
Das Radio schaltete sich ein

Kalten Kaffee würgte sie runter
Und wurde doch nicht frisch und munter
Die U 4 kam, doch keine Tram
Sie schimpfte: „Heiliger Bim-Bam!„

Dann im Büro wartet schon sauer
Der Chef Bokassa auf der Lauer
„Sie kommen fünf Minuten spät,
Sie wissen, dass sowas nicht geht

Wir machen nun ein schnell’ Diktat,
Da wird Ihnen so schnell nicht fad
Vermeiden Sie die Rechtschreibfehler,
Verdrießen woll’n wir nicht die Wähler

Dann schlichten Sie diese Kartei,
Gewiß, es ist mir einerlei,
Ob’s Ihnen Spaß macht oder nicht,
Das fällt hier gar nicht ins Gewicht„

Merle schuftet den ganzen Tag
Sie weiß nicht ein noch aus vor Plag’
Die Mittagspause fällt ins Wasser
Dank ihrem Chef, Kaiser Bokassa

Nach der Tortur husch zu Merkur
Und mit dem Blicke auf die Uhr
Eilt sie ins Hanusch-Krankenhaus,
Um zu besuchen Neffen Klaus

Dann noch geschwind zum Herrn Notar
Erlegen dort 10 000 bar
Das schuldet sie der Ersten Bank,
Nun ist sie ritze-ratze blank

Nachher nach Haus’ um zu bereiten
Das Abendmahl voll Leckerheiten
Für den Gemahl, den kleinen Kaiser,
Er mahnet sie: „Sprich bitte leiser„

Sie serviert Scampi mit Salat
Er sagt: „Das hat schon einen Bart,
Ich suche mir ein frisches Klima
Und fahr mit Freundin bald nach Lima„

Es folgt das Bügeln vorm TV
Sie ärgert sich nun grün und blau,
Denn Khol quatscht wieder von der Wende
Er sagt zwar nichts, doch er spricht Bände

Und meint: „ Ihr könnet Euch bedanken
Für das Budget, dem rank und schlanken,
Vorbei die Tränen, aus die Not,
Marm’lade gibt’s für’s Butterbrot

Schwer wie die Bienen schuften wir
Und halten immer im Visier
Den kleinen Mann, die kleine Frau
Und die Partei mit Färbung blau

Nichts ist uns wichtiger auf Erden
Als Euer Wohl, Eure Beschwerden
Ein Steuerzuckerl gibt’s zwar nicht
Und auch für Stadler kein Gericht

Doch Hauptsach’ ist Ihr seid zufrieden
Und Freunderlwirtschaft wird vermieden
Und eins möcht’ ich Euch gern beweisen,
Gott will uns rechte Gunst erweisen„

Frau Merle, tief enttäuscht und matt,
Hat diese Platitüden satt
Zieht sich zurück in ihre Kammer,
Beendet ist des Tages Jammer

Sie faltet still die müden Hände
Und betet: „Schluss sei mit der Wende!
Dieser Khol ist ein Gemüse
Und der Kanzler eine Düse

Bedenke, Gott, im Himmel droben,
Hier wird gemogelt und geschoben
Die Großen stopfen sich die Munde
Die Kleinen gehen vor die Hunde

Normalerweise find’ ich nicht
Mal Zeit für Dich verinniglicht
Drum bitt’ ich Dich, zitternd und bleich:
‚Errette unser Österreich!’„














Menschenschandy | Das Glück folgt auf dem Fuß