Frau Merle aus Ober St. Veit, Hatte niemals genug Zeit Von morgens früh bis abends spät Für eine Pause, ein Gebet
Schrill läutete der Gockelwecker, Sie riss heraus den elend’ Stecker Die Sonne blinzelte herein, Das Radio schaltete sich ein
Kalten Kaffee würgte sie runter Und wurde doch nicht frisch und munter Die U 4 kam, doch keine Tram Sie schimpfte: „Heiliger Bim-Bam!„
Dann im Büro wartet schon sauer Der Chef Bokassa auf der Lauer „Sie kommen fünf Minuten spät, Sie wissen, dass sowas nicht geht
Wir machen nun ein schnell’ Diktat, Da wird Ihnen so schnell nicht fad Vermeiden Sie die Rechtschreibfehler, Verdrießen woll’n wir nicht die Wähler
Dann schlichten Sie diese Kartei, Gewiß, es ist mir einerlei, Ob’s Ihnen Spaß macht oder nicht, Das fällt hier gar nicht ins Gewicht„
Merle schuftet den ganzen Tag Sie weiß nicht ein noch aus vor Plag’ Die Mittagspause fällt ins Wasser Dank ihrem Chef, Kaiser Bokassa
Nach der Tortur husch zu Merkur Und mit dem Blicke auf die Uhr Eilt sie ins Hanusch-Krankenhaus, Um zu besuchen Neffen Klaus
Dann noch geschwind zum Herrn Notar Erlegen dort 10 000 bar Das schuldet sie der Ersten Bank, Nun ist sie ritze-ratze blank
Nachher nach Haus’ um zu bereiten Das Abendmahl voll Leckerheiten Für den Gemahl, den kleinen Kaiser, Er mahnet sie: „Sprich bitte leiser„
Sie serviert Scampi mit Salat Er sagt: „Das hat schon einen Bart, Ich suche mir ein frisches Klima Und fahr mit Freundin bald nach Lima„
Es folgt das Bügeln vorm TV Sie ärgert sich nun grün und blau, Denn Khol quatscht wieder von der Wende Er sagt zwar nichts, doch er spricht Bände
Und meint: „ Ihr könnet Euch bedanken Für das Budget, dem rank und schlanken, Vorbei die Tränen, aus die Not, Marm’lade gibt’s für’s Butterbrot
Schwer wie die Bienen schuften wir Und halten immer im Visier Den kleinen Mann, die kleine Frau Und die Partei mit Färbung blau
Nichts ist uns wichtiger auf Erden Als Euer Wohl, Eure Beschwerden Ein Steuerzuckerl gibt’s zwar nicht Und auch für Stadler kein Gericht
Doch Hauptsach’ ist Ihr seid zufrieden Und Freunderlwirtschaft wird vermieden Und eins möcht’ ich Euch gern beweisen, Gott will uns rechte Gunst erweisen„
Frau Merle, tief enttäuscht und matt, Hat diese Platitüden satt Zieht sich zurück in ihre Kammer, Beendet ist des Tages Jammer
Sie faltet still die müden Hände Und betet: „Schluss sei mit der Wende! Dieser Khol ist ein Gemüse Und der Kanzler eine Düse
Bedenke, Gott, im Himmel droben, Hier wird gemogelt und geschoben Die Großen stopfen sich die Munde Die Kleinen gehen vor die Hunde
Normalerweise find’ ich nicht Mal Zeit für Dich verinniglicht Drum bitt’ ich Dich, zitternd und bleich: ‚Errette unser Österreich!’„
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